In Österreich gehören Femizide, also Frauen*morde, zur traurigen Realität. Im EU-Vergleich ist man Spitzenreiter, was die Anzahl der weiblichen* Opfer bei Morden betrifft: 2020 waren 31 Frauen* unter insgesamt 43 Mordopfern, bis Ende Oktober 2021 wurden mutmaßlich bereits 23 Frauen*morde verübt. Die Ausübung von Gewalt folgt dabei einem vom Geschlecht abhängigen Muster – Gewalt an Frauen* wird zu etwa 91% von Männern aus ihrem direkten Umfeld ausgeübt. Frauen*morde stellen jedoch nur die Spitze des Eisbergs der strukturellen Gewalt an Frauen*dar – insgesamt sind 20% aller Frauen* von häuslicher Gewalt betroffen. Für eine effektive Gewaltprävention braucht es neben der Auflösung der männlichen Gewalttätigkeit auch die Befreiung der Frau* auf allen Ebenen. Die Kampagne “Wer ist die Nächste? – Frauen*morde stoppen!” der Solidarität will nicht nur gegen Gewalt an Frauen* und insbesondere Frauen*morde mobil machen, sondern auch die Politik zum Handeln zwingen.

 

Deshalb fordern wir:

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Behördenkultur des Wegschauens beenden

Wir fordern eine Sensibilisierung der Behörden im Umgang mit Gewalt an Frauen* durch eine verbesserte Ausbildung innerhalb der Polizei und Justiz sowie eine schnelle, einheitliche und opferschutzorientierte Vorgehensweise bei gefährdeten Frauen*, die sich hilfesuchend an die Behörden wenden. Die Fälle in der Vergangenheit zeigen, dass das für den Schutz von Frauen* unbedingt notwendig ist.

Bessere Zusammenarbeit zwischen den Institutionen

Um Gewalt gegen Frauen* vorzubeugen, fordern wir institutionsübergreifende Fallkonferenzen in Hochrisikofällen, die flächendeckende Umsetzung von Opferschutzeinrichtungen in Spitälern sowie eine bessere institutionelle Zusammenarbeit (etwa zwischen Krankenhäusern, Frauen*häusern, Gewaltpräventionsstellen, Polizei usw.).

Mehr Mittel für Opferschutzeinrichtungen

Wir fordern eine Erhöhung und klare Zuteilung des Budgets für Opferschutzeinrichtungen, insbesondere im ländlichen Bereich, die Erhöhung der Basisförderung von Gewaltschutzeinrichtungen sowie den Ausbau von Unterstützungsmaßnahmen für Betroffene.

Ökonomische Unabhängigkeit von Frauen* fördern

Wir setzen uns für die Abschaffung der patriarchalen Strukturen ein, die Aufwertung von “Frauenberufen”, gleichen Lohn für gleiche Arbeit sowie eine flächendeckende, ganztägige und kostenlose Kinderbetreuung, um die ökonomische Unabhängigkeit von Frauen* voranzutreiben.

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Mehr und verbesserte Täter- sowie Präventionsarbeit

Wir fordern eine engmaschigere und verpflichtende Arbeit mit Tätern und Gefährdern, eine akkurate und frühe Gefährlichkeitseinschätzung der Gefährder sowie Personenschutz für gefährdete Frauen* und Kinder. Darüber hinaus bedarf es auch ausreichender Präventionsarbeit, einen Wandel bei den gesellschaftlichen Normen von Männlichkeit sowie ein Bewusstsein darüber, wie Gewalt an Frauen* generell entsteht.

Jetzt Petition unterschreiben!

Wenn du auch der Meinung bist, dass diese Thema mehr Aufmerksamkeit verdient hat und alles dafür unternommen werden muss, den nächsten Frauen*mord zu verhindern, dann unterschreibe unsere Petition!

Diskussionsveranstaltung in Graz am 30. März

Vier Frauen wurden im heurigen Jahr bereits von Männern ermordet. Von 2014 bis 2018 haben sich die Femizide in Österreich verdoppelt.
Gewalt an Frauen ist kein Frauenproblem, sondern ein Männerproblem oder viel mehr ein Männlichkeitsproblem. Denn entscheidend ist nicht ihr Geschlecht an sich, sondern das patriarchal geprägte und toxische Rollenbild, das uns allen eingeprägt wird. Es ist ein Rollenbild, welches es Männern verwehrt, ihre Emotionen zu erleben und gewaltfrei zu kommunizieren. Stattdessen bewegt es Männer dazu, ihre Gefühle zu unterdrücken und Gewalt als Ausdruck von Macht zu forcieren.
Um Frauen langfristig vor Gewalt zu schützen, braucht es neue Konzepte von Männlichkeit. Konzepte, die nicht von Gewalt, sondern von Fürsorge und Respekt bestimmt sind. Wir sind es den Mädchen von heute schuldig, die Frauen von morgen zu schützen. Wie können wir es verhindern, dass Männer zu Tätern und Frauen zu Opfern werden? Was kann Burschenarbeit im Rahmen diese Gewaltprävention leisten? Diesen Fragen wollen wir uns, gemeinsam mit Mag. (FH) Michael Kurzmann und Anna Robosch, in der letzten Diskussion der Kampagne “Wer ist die Nächste? Frauen*morde stoppen” widmen. Mag. (FH) Michael M. Kurzmann ist Psychoanalytiker, Psychotherapeut und Sozialarbeiter. Er ist Geschäftsleiter der Fachstelle für Burschenarbeit, Vorstandsmitglied im Verein für Männer- und Geschlechterthemen Steiermark und Projektleiter von “HEROES® gegen Unterdrückung im Namen der Ehre. Für Gleichberechtigung in der Steiermark”. Er ist Mitglied der GenderWerkstätte, Trainer im Lehrgang “Gender – Diversität – Intersektionalität” sowie Lektor an der Karl-Franzens-Universität Graz (Zentrum für Soziale Kompetenz & Psychotherapeutisches Propädeutikum) und FH Joanneum Graz (Soziale Arbeit, Master). Anna Robosch ist Grazer Gemeinderätin, Vorsitzende des Ausschuss für Gleichstellung, Frauen, LGBTQI+ und Menschenrechte und stellvertretende SPÖ Graz Frauenvorsitzende.

Eindrücke der Veranstaltung

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Es bestehen rund um das Thema Gewalt an Frauen* viele Vorurteile und Falschinformationen. Klick dich durch die 8 verbreitesten Mythen.

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Es bestehen rund um das Thema Gewalt an Frauen* viele Vorurteile und Falschinformationen. Klick dich durch die 8 verbreitesten Mythen.

Du willst mitmachen und die kampage unterstützen?

Nur gemeinsam können wir Gewalt gegen Frauen* auch abseits von traurigen Anlassfällen zum Thema machen! Hier erfährst du, welche Möglichkeiten es gibt, die Kampagne zu unterstützen.

Am Anfang jeder guten Kampagne steht eine ausführliche Recherche und enger Austausch mit Expert*innen und Personen, die im Bereich Gewaltschutz, Männerarbeit und Prävention arbeiten. Denn diese wissen am besten, welche Maßnahmen getroffen werden müssen, damit Frauen*morde verhindert werden können. Auf dieser Basis formulieren wir die Forderungen, die umfassend in unserem Grundsatzpapier argumentiert werden.

Online-Diskussion mit Expert*innen

28 Femizide. So die traurige Bilanz des Jahres 2021 in Österreich (Stand 23.11.2021). Die Anzahl der Frauen*morde ist im Vergleich mit anderen europäischen Staaten hierzulande besonders hoch. Obwohl jede fünfte Frau* körperliche und/oder sexuelle Gewalt erlebt, ist vor allem häusliche Gewalt ein Tabu-Thema. Allzu oft wird es als „Privatsache“ abgestempelt oder bagatellisiert.
Wir haben dieses Thema anläßlich der “16 Tage gegen Gewalt an Frauen” beleuchtet. Maja Markanovic-Riedl berichtete als ehem. Leiterin einer Einrichtung für wohnungslose Frauen von der Praxis und den damit verbundenen Schwierigkeiten. Mit Marina Hanke, Vorsitzende der Wiener SPÖ Frauen diskutierten wir die politischen Spielräume, die zur Gewaltprävention gesetzt werden können und welche in Wien bereits umgesetzt sind. Simon Brezina erzählte als Experte für kritische Männerarbeit, welche Rolle die Auseinandersetzung mit Männlichkeit und Rollenbildern in der Prävention haben kann. Die Veranstaltung wurde in Kooperation mit ega: frauen im zentrum und den Wiener SPÖ Frauen durchgeführt.